Nachruf auf Ulrike Kolb: Eine starke weibliche Stimme
Das Ministerium für Bildung und Kultur trauert um die saarländische Schriftstellerin Ulrike Kolb, die im Alter von 84 Jahren verstorben ist. Mit ihr verliert das Saarland eine bedeutende
Autorin, die die deutschsprachige Literaturlandschaft über viele Jahrzehnte bereichert hat.
Kulturministerin Christine Streichert-Clivot: „Mit Ulrike Kolb verlieren wir eine herausragende
Schriftstellerin und eine ebenso präzise Beobachterin ihrer Zeit. Sie war eine Frau des Saarlandes und eine gesellschaftspolitische Autorin mit klarer Haltung. Mit schonungsloser Offenheit stellte sie sich der historischen Vergangenheit des Saarlandes, der
deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts und dem Holocaust. Die literarische Aufarbeitung dieser Geschichte hat sie über viele Jahre begleitet und ihr Werk entscheidend geprägt. Dabei rückte sie immer wieder weibliche Erfahrungen und Perspektiven in den Mittelpunkt.
Gerade heute ist dieses literarische Erinnern wichtiger denn je: Ulrike Kolbs Texte mahnen uns, genau hinzusehen, Geschichte nicht zu verdrängen und Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen. Erst im vergangenen Jahr durften wir sie für ihr beeindruckendes
literarisches Lebenswerk mit dem Kunstpreis des Saarlandes ehren. Ihr Tod erfüllt mich mit großer Trauer. Meine Gedanken sind bei ihrer Familie, ihren Freundinnen und Freunden und allen Menschen, die ihr nahestanden.“
Ulrike Kolb wurde 1942 in Saarbrücken geboren. Nach dem Abitur studierte sie zunächst an der Werkkunstschule Saarbrücken. Weitere Stationen führten sie an eine Haushaltsschule in Berlin
und eine Sprachschule in London. In Berlin absolvierte sie eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin und studierte anschließend Pädagogik. Während ihres Studiums engagierte sie sich in der Studentenbewegung und setzte sich früh mit politischen und gesellschaftlichen
Fragen auseinander.
Ab 1979 arbeitete Ulrike Kolb journalistisch. Unter anderem verfasste sie Kolumnen für die „Frankfurter Rundschau“. 1984 veröffentlichte sie ihr erstes Buch und arbeitete fortan als freie
Schriftstellerin. Seit 2010 lebte und arbeitete sie in Berlin.
Im Zentrum ihres literarischen Schaffens standen die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts, die Bedeutung persönlicher und gesellschaftlicher Erinnerung sowie die Frage, wie Vergangenheit
bis in die Gegenwart hineinwirkt. In ihrem Werk „Schönes Leben“ setzte sie sich am Beispiel ihrer saarländischen Heimat eindringlich mit der deutschen Nachkriegsgeschichte auseinander.
Für ihr Werk wurde Ulrike Kolb mehrfach ausgezeichnet. 1995 erhielt sie den Ingeborg-Bachmann-Preis für ihren Text „Danach“. 2007 wurde ihr die Eugen-Viehof-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung
verliehen. Im Jahr 2025 zeichnete das Saarland sie mit dem Kunstpreis im Bereich Literatur aus. Mit der höchsten künstlerischen Auszeichnung des Landes wurde ein literarisches Lebenswerk von herausragender Qualität und überregionaler Bedeutung gewürdigt.
Ulrike Kolb hinterlässt ein vielfältiges und beeindruckendes literarisches Werk, das von historischer Verantwortung und einem besonderen Gespür für weibliche Perspektiven geprägt ist.
Ihre Stimme wird in der Literatur des Saarlandes und darüber hinaus weiterwirken.