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Kreisstadt Merzig: Gustav-Regler-Preise 2026 im Schloss Fellenberg verliehen

Von Redaktion Landkreis Merzig-Wadern | 16.06.2026 16:27 | Lesedauer: 6 Minuten

Gustav-Regler-Preise 2026 verliehen: Tschechische Schriftstellerin Alena Wagnerová und Maryam Aras ausgezeichnet
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Gustav-Regler-Preise 2026 im Schloss Fellenberg verliehen
Kreisstadt Merzig

Gustav-Regler-Preise 2026 im Schloss Fellenberg verliehen

Grenzüberschreitende Literatur Sprache und Verantwortung Kultur im Gespräch mit Tilla…

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Gustav-Regler-Preise 2026 im Schloss Fellenberg verliehen

Die Kreisstadt Merzig und der Saarländische Rundfunk luden am vergangenen Freitag, den 12. Juni, zur feierlichen Verleihung der Gustav-Regler-Preise in das Museum Schloss Fellenberg ein. Gefördert durch das Ministerium würdigen die beiden Literaturpreise seit 30 Jahren das Werk und das Andenken des Merziger Schriftstellers Gustav Regler. Der Hauptpreis ehrt besondere literarische Verdienste um die internationale und interkulturelle Verständigung, während der Förderpreis die Stimmen junger Talente unterstützt.

Den Gustav-Regler-Hauptpreis 2026, dotiert mit 10.000 Euro, erhielt die tschechisch-deutsche Schriftstellerin, Publizistin und Literaturhistorikerin Alena Wagnerová. Der Saarländische Rundfunk zeichnete Maryam Aras für ihren Essay „Dinosaurierkind“ mit dem Gustav-Regler-Förderpreis und damit einem Preisgeld in Höhe von 4.000 Euro aus. Beide Autorinnen vereint mit dem Andenken Gustav Reglers eine Besinnung auf Menschlichkeit über nationale Grenzen hinweg sowie die differenzierte Betrachtung der Erinnerungskulturen, welche durch persönliche oder familiäre Exilerfahren und daraus entstehende Brüche in der (Familien-)Biografie fußt.

Musikalisch wurde die Preisverleihung von Nino Deda begleitet. Herr Deda begeisterte das Publikum im Laufe des Abends mit seinen Darbietungen am Klavier und am Akkordeon und sorgte so für einen harmonischen Übergang zwischen den Programmpunkten.

Oberbürgermeister Marcus Hoffeld freute sich, zusammen mit Sonja von Struve, der Programmdirektorin des SR, alle Gäste zur zehnten Verleihung der Gustav-Regler-Preise begrüßen zu dürfen. Mit einem Blick auf das politische Wirken von Gustav Regler mahnte Herr Hoffeld, dass es wieder mehr denn je gelte, sich aktiv für die Demokratie stark zu machen und der Verbreitung menschenfeindlicher Ideologien entgegenzutreten. Dabei spiele Literatur eine wichtige Rolle, um Urteilsfähigkeit, Empathie und Mut zu fördern. In der Kreisstadt Merzig zeigten Menschen aller Generationen und unabhängig der Herkunft diese Haltung – beispielsweise durch interreligiöse Zusammenarbeit, das Netzwerk der „Courage-Schulen – Schule ohne Rassismus“ oder auch durch den aktiven Austausch mit deutschen und internationalen Partnerstädten. Marcus Hoffeld und Sonja von Struve dankten unter anderem der Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich als Hausherrin, dem Ministerium für Bildung und Kultur vertreten durch Jörg Sämann, der Jury sowie den Angehörigen der Familie Regler-Repplinger für die gute Zusammenarbeit. Weiterer Dank galt für die Vorbereitung der Veranstaltung das Bibliotheksteam rund um Anja Schoppe, Heike Wagner vom Referat für Soziales und Familie sowie die Literaturredakteurin Tilla Fuchs des SR.

Sonja von Struve schloss sich diesen Grußworten an und betonte, dass Literatur in der Tradition Gustav Reglers eine grenzüberschreitende Funktion einnehmen kann. Wie Homi K. Bhabha es in „die Verortung der Kulturen“ beschreibt: Durch das Aufeinandertreffen mehrerer Kulturen entstehe etwas Neues; ein fruchtbarer Raum, der Polarisierung entgegenwirkt. Dieser „dritte Raum“ des neuen Verstehens finde sich sowohl im Saarland als Grenzregion als auch in den Biografien der diesjährigen Preisträgerinnen wieder.

Jörg Sämann überbrachte die Glückwünsche im Namen des saarländischen Ministeriums für Bildung und Kultur und war darüber hinaus gerne wegen seiner Affinität zu Merzig und Gustav Regler angereist. Bereits bei der ersten Verleihung des Gustav-Regler-Preises hatte er vor 30 Jahren mitwirken dürfen. Als Süd-Saarländer wünschte er den Anwesenden ein traditionelles „Glück auf“.

Die Schriftstellerin Shida Bazyar hielt die Laudatio für Maryam Aras und gratulierte der Preisträgerin von Herzen. Frau Bazyar hob die Furchtlosigkeit und den „unbeirrbaren literarischen Kompass“ von Maryam Aras hervor. Durch diesen moralischen Kompass scheue sich die Autorin nicht davor, von vorgesehenen Wegen abzuweichen und unbequeme Wahrheiten zu beleuchten. Deutschland sei – in den Worten Gustav Reglers – auch heute noch ein „schönes und seltsames Land“, das Denkerinnen wie Maryam Aras brauche. Die Laudatorin beschrieb die Lektüre von Aras Werken als „Moment des Aufatmens und Entspannens“. Das Essay „Dinosaurierkind“ sei ein „literarischer Akt der Fairness“ gegenüber Aras‘ Vater, der wie viele seiner exil-iranischen Mitstudierenden gegen das Regime Schah Mohammad Reza Pahlavis protestierte und sein Leben lang gegen faschistische Strukturen kämpfte. Dennoch gingen weder er noch seine Wegbegleiter in die deutsche Geschichtsschreibung ein, während die deutsche Studentenbewegung als intellektueller Sieger gefeiert wurde. Die biografische Spurensuche über ihren Vater verbinde Aras mit den politischen Entwicklungen der Zeit und der geschichtlichen Aufarbeitung. Mit einer zerbrechlichen und doch radikalen Erzählstimme bleibt Gerechtigkeit nicht nur das Ziel, sondern ebenso ein Stilmittel des Textes: Aras Vater tritt in selbst verfassten Kommentaren mit seiner Tochter in einen Dialog und kann damit das Geschriebene hinterfragen, korrigieren oder reflektieren.

In ihrer emotionalen Dankesrede nutzte Maryam Aras die Gelegenheit, um nicht nur ihre eigene Stimme zu erheben, sondern auch anderen Befreiungsbewegungen ein Ohr in Form einer Version der ursprünglich chilenischen Befreiungshymne „El pueblo unido“ zu leihen. Aras nannte sich selbst „das Kind eines lebenslangen Kämpfers“ und die Auszeichnung mit dem Gustav-Regler-Förderpreis bedeute für sie, Teil eines Stück antifaschistischer Literaturgeschichte zu sein. Sie fand Parallelen in den Kämpfen ihres Vaters, von Gustav Regler und auch von Alena Wagnerová und hinterfragte die Bedeutung der „zwei Seiten“ eines Konflikts. Nicht jede Person habe das Privileg, sich eine Seite auswählen zu können. Sie selbst, als politische Tochter ihres Vaters, habe nur in gewissen Rahmen eine Wahl: In einer Wirklichkeit, in der ihre bloße Existenz politisch ist und rechtsextreme Ideologien erstarken. Ihre Danksagung beendete Maryam Aras mit einem Aufruf an die Anwesenden: „Wählen Sie – wenn Sie können – Ihre Seite weise“.

Peter König würdigte in der zweiten Laudatio des Abends das Leben und Lebenswerk von Alena Wagnerová. Er resümierte wichtige Stationen, die Wagnerová zu ihrer eigenen unverwechselbaren Perspektive verhalfen – vor dem Hintergrund des NS-Regimes, Exil und Vertreibung. Literatur im Sinne des Gustav-Regler-Preises sei für die Schriftstellerin Zeugnis und Verantwortung zugleich: Ein „Bekenntnis zur Wahrhaftigkeit“, wie Gustav Regler im „Das Ohr des Malchus“ schrieb. Ähnlich wie Maryam Aras scheue Wagnerová keine unbequemen Wahrheiten und arbeitet mit Präzision, Mut und großer sprachlicher Disziplin. So baue Wagnerová vor allem Brücken: Brücken zwischen der Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Tätern und Opfern, zwischen Schuld und Leid. Dabei blicke sie in tiefe Abgründe, um die Verflechtungen deutscher, tschechischer und jüdischer Erinnerungskulturen aufzuarbeiten und zu versöhnen. Im Mittelpunkt stünde hierbei nie bloß abstrakte Geschichte, sondern konkrete Schicksale und Brüche in individuellen Biografien durch Gewalt- oder Zwangserfahrungen. Ihre Ideologie sei dabei völlig der Empathie verschrieben, ohne die Geschichte zu revidieren oder die Wahrheit zu relativieren. Darüber hinaus sei Wagnerová in ihrer literarischen Arbeit, aber auch im Rundfunk und in Podcasts, bemüht Biografien mit marginalisierten Stimmen zu verstärken. So bei der Schreibung einer Biografie von Milena Jesenská: einer großartigen und klugen Journalistin, die geschichtlich auf die Rolle der Geliebten von Franz Kafka reduziert wurde. Laut Peter König trug Wagnerovás Biografie dazu bei, Jesenskás Wirken aus dem Schatten eines berühmten Mannes zu befreien. Im letzten Jahr feierte Alena Wagnerová ihren 90. Geburtstag und so sprach Herr König im Namen der Jury des Gustav-Regler-Preises einen Dank für das Lebenswerk der Autorin aus.

Auch Alena Wagnerová stellte sich in ihrer Danksagung nicht selbst in den Mittelpunkt, sondern betonte die Werte und Leitgedanken ihres literarischen Schaffens. Beim Schreiben über die Biografien anderer Menschen dürfe man nicht allzu sehr über sich selbst nachdenken. Mit der Verleihung des Gustav-Regler-Preises resoniere ein Zitat von Gustav Regel in besonderer Weise als Lebenseinstellung: „Wir alle sind Menschen“ – und das sei das Wichtigste. Des Weiteren hielten Worte die Macht inne, als Mittel der Wahrhaftigkeit genutzt oder aber als Waffe missbraucht zu werden.

Abschließend dankte Oberbürgermeister Hoffeld allen Mitwirkenden und lud die Gäste ein, den Abend bei einem kleinen Empfang mit einem Getränk und Gesprächen ausklingen zu lassen.

Falls Sie noch weitere Einblicke in die Preisverleihung erhalten wollen, so sendet das „SR-Kultur“ im Rahmen der Reihe „Literatur im Gespräch“ am 24. Juni 2026 um 19:15 einen Mitschnitt der Lesung beider Preisträgerinnen im Gespräch mit SR-Literaturredakteurin Tilla Fuchs. Darüber hinaus finden Sie die vollständigen Begründungen der Jury auf dem Online-Portal für Pressemitteilungen der Kreisstadt Merzig (https://www.merzig.de/rathaus-buergerservice/pressemeldungen/).

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Quelle:
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Kreisstadt Stadt Merzig
Schlagworte:
Gustav-Regler-Preise
Schloss Fellenberg
Merzig
Literaturpreis
Grenzüberschreitende Literatur
Sprache und Verantwortung
Kultur
Alena Wagnerová
Maryam Aras
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